Die Amerikas

Lebenswelten vom Eismeer bis nach Feuerland

Teil der Dauerausstellung "Rundgänge in einer Welt"

Am 27. November 2008 wird der Ausstellungsabschnitt "Die Amerikas - Lebenswelten vom Eismeer bis nach Feuerland" der Öffentlichkeit übergeben. Auf 640 Quadratmetern präsentiert das Museum Kunst- und Alltagsgegenstände alter amerikanischer Kulturen, aber auch lebendiger indigener Bewegungen. Keramik der Nasca-, Chimu- und Mochekulturen, sowie mesoamerikanische Skulpturen der vorspanischen Zeit veranschaulichen die alte Geschichte Amerikas. Von lebendiger indigener Kultur erzählen die Objekte der Gruppen der Plains und Prärien Nordamerikas, der Tarahumara in Mittelamerika und der Kulturen im Amazonasbecken Südamerikas. Nicht nur die unterschiedlichen zeitlichen Bezüge der Ausstellung zeigen die Vielfalt der Kulturen Amerikas, auch die einzelnen Regionen mit ihren eigenen Gegebenheiten und kulturellen Entwicklungen demonstrieren die Verschiedenheit der Lebenswelten.

Der Rundgang beginnt mit den afroamerikanischen Kulturen Brasiliens und Surinams, die auf die Zeit der Sklaverei in Amerika zurückgehen. Der Mittelpunkt der gezeigten Objekte ist das Tanzkleid der Göttin Oyá, das der brasilianischen Religion des Candomblé zugeordnet wird. Das Gewand wird vom Medium der Göttin getragen, wenn bei Festen die "Geister herabsteigen" und sich in einer menschlichen Hülle am Fest beteiligen. Weiterhin sieht man Objekte aus der beeindruckenden Federschmucksammlung des Amazonastieflandes. Darunter ist eine Cara Grande Maske der Tapirapé, die im Maskentanz den Geist getöteter Feinde verkörpert.

Alt-peruanische Keramiken und Alt-mexikanische Steinskulpturen reflektieren die frühere Geschichte Amerikas, lange bevor die ersten Europäer den Doppelkontinent betreten haben und den Menschen, denen sie begegneten, ihren irrtümlichen Namen "Indianer" gaben. Im alten Peru wurden Töpferwaren als Grabbeigaben zu den Verstorbenen gelegt und sie wurden für Zeremonien verwendet. Die Fülle verschiedener figürlicher Darstellungen geben Einblicke in die sozialen Strukturen und in zeremonielle Abläufe der alten Inkakulturen sowie der Kulturen der Maya und Azteken im Alten Mexiko.

Der Silberschmuck der Araukaner (Mapuche) ist ein Zeugnis ausgeprägter Silberschmiedekunst. Er erzählt von zeitgenössischen Widerständen gegen nationale Machtausübung. Noch heute tragen die Mapuche diesen Schmuck als Ausdruck eigener Kultur gegenüber der chilenischen Mehrheitsgesellschaft. Lebendige Kultur zeigt sich auch im Ritualkleid eines Matachinetänzers der Rarámuri (Tarahumara) im Norden Mexikos. Zeitgenössisches indigenes Alltagsleben wird in einer besonderen Vitrine durch die ethnomedizinische Sammlung mit Heil- und Magiemitteln abgebildet, die auch heute noch im lateinamerikanischen Alltag verwendet werden.

Die den Besuchern wohl bekanntesten Beispiele nordamerikanischer Kulturen, die der Plains und Prärien, sind mit einem begehbaren Tipi, Häuptlingsgewändern und verschiedene Gegenständen der Reiter- und Jagdkulturen in der Ausstellung vertreten. Unter diesen Objekten befindet sich eine Adlerfederhaube der Lakota, die von angesehenen Personen zu besonderen Anlässen getragen wurde, zum Beispiel während des Sonnentanzes und bei Verhandlungen mit den Europäern. Sie trifft zugleich die europäische Klischeevorstellung indianischer Kultur, die durch Romane wie "Lederstrumpf" und "Winnetou" geprägt wurde. Der letzte Teil der Amerika-Ausstellung ist der Nordwestküste, den Kulturen im nordamerikanischen Waldland und den Inuit der Arktis gewidmet. In diesem Teil der Dauerausstellung kann der Besucher die ältesten Objekte der Amerika-Sammlung betrachten: ein Grönlandkajak und das zungenförmige Zeremonialbeil "slave killer" aus der berühmten Cook-Sammlung.

Zeremonialbeil "Slavkiller", Foto: Ingrid Hänse
Zeremonialbeil "Slavkiller", Foto: Ingrid Hänse
Federkopfschmuck, Südamerika, Foto: Ingrid Hänse
Federkopfschmuck, Südamerika, Foto: Ingrid Hänse
Keramikgefäß, Peru, Foto: Ingrid Hänse
Keramikgefäß, Peru, Foto: Ingrid Hänse