Geteilte Erde - Shared Ground

Malerei indigener Australier und Keramik von Lotte Reimers

11.10.2013 - 25.5.2014

Eine ungewöhnliche Gegenüberstellung von Bildern indigener australischer Künstler aus der Sammlung Bähr mit Keramiken der deutschen Künstlerin Lotte Reimers zeigt das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig. In der Sonderausstellung trifft die Gegenwartskunst australischer Ureinwohner auf zeitgenössische deutsche Keramik.

Künstlerische Arbeiten, die auf den ersten Blick weit voneinander entfernt erscheinen mögen, erweisen sich bei näherer Betrachtung als gegenseitige visuelle und motivische Bereicherung. Der unmittelbare Dialog von Bildern und keramischen Gefäßplastiken eröffnet überraschende gestalterische Verwandtschaften zwischen Farbstimmungen, Motiven und verwendeten Materialien. Die Verwendung ähnlicher Bildelemente und Strukturen sowie gleicher oder ähnlicher Materialien, wie Erden, Aschen und Ton zeigen: Es ist eine Erde, die sich indigene australische Künstler und Lotte Reimers als inspirative Kraft und Stoff ihrer Kunst teilen.

Die Betrachtung der Malereien und Keramiken sensibilisiert das Auge für die feinen Strukturen, Prägungen und das subtile Farbspiel in den ausgewählten Kunstwerken. Das betont Haptische der indigenen australischen Malerei, das insbesondere durch die Verwendung bzw. den pastosen Auftrag von selbst hergestellten Farben aus Erdpigmenten resultiert, fügt der visuellen eine sinnliche Wahrnehmungsebene hinzu. Diese Dimension findet sich ebenso in Lotte Reimers‘ Keramiken, die auch bei formaler Präzision die lebendige Unregelmäßigkeit des Handgeformten aufweisen. Ein dynamischer Glasurauftrag mit Tauchzonen, Laufspuren und Spritzern betont zusätzlich die differenzierte Materialität und Oberflächenstruktur. Die aus Naturmaterialien von Reimers selbst entwickelten Glasuren korrespondieren mit den aus Erdpigmenten bestehenden oder farblich daran angelehnten Malmittel der indigenen Künstler. Bilder und Keramiken kommunizieren auch durch den rhythmischen Bildaufbau: Augenfällig ist hier die Verwendung von Punkten in Gemälden und Plastiken.

In der Malerei mit Erdpigmenten offenbart sich die tiefe Verbundenheit, die die indigenen Künstler zwischen dem Menschen, dem ihm zugehörigen Land und ihrer Kunst herstellen. Sie setzen ihre Kunst bewusst zur Weitergabe ihrer Kultur sowohl an die eigenen Nachkommen als auch an die weiße Gesellschaft ein. Beeinflusst durch die kraftvollen Farben und Formen der Landschaften, inspiriert von Geschichten über Leben und Tod, die mit dem Land verbunden sind, experimentieren die Künstler und entwickeln neue Ausdrucksformen.

Lotte Reimers, geboren 1932 in Hamburg, engagierte sich bereits als Mitbegründerin und später als langjährige Leiterin des Museums für moderne Keramik in Deidesheim, als Galeristin und bis heute als Stifterin leidenschaftlich für die keramische Kunst. Seit 1965 hat sie ein umfangreiches eigenes keramisches Werk geschaffen. Völlig eigenständig und von keramischen Moden und Zeitströmungen unbeeinflusst geht die Künstlerin zu den Ursprüngen der Töpferei zurück und schafft Gefäße aus rauem schamottiertem Steinzeugton von Hand. In der Verwendung gewachsener Rohstoffe und der naturkongruenten Motivik in ihren Kunstwerken zeigt sich Lotte Reimers‘ Naturbezug. Die Keramiken von Lotte Reimers stammen aus der Sammlung des GRASSI Museums für Angewandte Kunst und aus privaten Sammlungen.

Es erscheint ein Katalog zur Ausstellung.

Blick in die Ausstellung „Geteilte Erde – Shared Ground“, © GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Foto: Thomas Dachs
Blick in die Ausstellung „Geteilte Erde – Shared Ground“, © GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Foto: Thomas Dachs
Blick in die Ausstellung „Geteilte Erde – Shared Ground“, © GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Foto: Thomas Dachs
Blick in die Ausstellung „Geteilte Erde – Shared Ground“, © GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Foto: Thomas Dachs
Lotte Reimers in der Ausstellung „Geteilte Erde – Shared Ground“, © GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Foto: Thomas Dachs
Lotte Reimers in der Ausstellung „Geteilte Erde – Shared Ground“, © GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig, Foto: Thomas Dachs