GRASSI INVITES #1: fremd

29. Januar - 8. Mai 2016

Eine Kooperation des GRASSI Museums für Völkerkunde zu Leipzig und der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGB)

Die Unterscheidung zwischen "unserer Kultur" und "fremden Kulturen" wurde in Europa durch die Eröffnung der ersten ethnologischen Museen um die Mitte des 19. Jahrhunderts institutionell verankert. Diese Unterscheidung lebt inner- und außerhalb der Museen weiter fort und entfaltet ihre politische Brisanz besonders in Zeiten, in denen so viele Menschen auf der Flucht sind wie selten zuvor. Die Ausstellung "fremd" befragt Präsentationsweisen des ethnologischen Museums und deren Effekte. Welches Bild des / der Fremden wird konstruiert? Was bedeutet es, wenn "fremde Kulturen" ohne ihre Geschichte und auch ohne ihre Gegenwart präsentiert werden? Welche Position und welche Haltung nehmen wir als Besucher*innen gegenüber der musealen Präsentation ein? Ausgehend von dieser Befragung soll die Ausstellung Raum bieten, nicht nur über die Aufgaben und die Zukunft des ethnologischen Museums sondern auch über "das Fremde" zu diskutieren.

Mit Arbeiten von: 
Rebekka Katharina Bauer, Juliane Bülow, Jamal Cazaré, Cora Czarnecki, Juanzi Cheng, Julia Dubsky, Charlotte Eifler, Katrin Eßer, Philipp Farra, Maike Hautz, Frank Holbein, Juliane Jaschnow, Deborah Jeromin, Marius Land, Vanessa Opoku, Gregor Peschko, Nicola Piccini, Clara Pötsch, Felix Pötzsch, Nadine Rangosch, Karoline Schneider, Stefania Smolkina, Hanna Stiegeler, Ernst Sylvester, Clara Wieck, Katrin Winkler, Julia Zureck

Kuratorisches Team: 
Benjamin Meyer-Krahmer, Clemens von Wedemeyer, Anke Dyes, Anna Jehle

Initiiert von: 
Nanette Snoep und Benjamin Meyer-Krahmer

Eintritt: 8/6 Euro, bis 16 Jahre frei

  

A cooperation between the Grassi Museum für Völkerkunde Leipzig and the Academy of Fine Arts Leipzig (HGB)

The distinction between "our culture" and "foreign cultures" was institutionally established in Europe when the first ethnological museums opened in the second half of the 19th century. This distinction continues to live on inside and outside the museum, unfolding its socio-political relevance especially at a time when as many people are searching refuge as rarely before. The exhibition "fremd" raises the question of modes of display in ethnological museums and their effects. Which image of the "foreign/er" is constructed? What does it mean to present "foreign cultures" as having no history? Which position and stance do "we", as spectators, take in the face of the museum's display? Taking this questioning as a starting point, the exhibition will provide the opportunity to not only discuss the function and future of the ethnological museum but also the notion of "the foreign" as such.

Works by:
Rebekka Katharina Bauer, Juliane Bülow, Jamal Cazaré, Cora Czarnecki, Juanzi Cheng, Julia Dubsky, Charlotte Eifler, Katrin Eßer, Philipp Farra, Maike Hautz, Frank Holbein, Juliane Jaschnow, Deborah Jeromin, Marius Land, Vanessa Opoku, Gregor Peschko, Nicola Piccini, Clara Pötsch, Felix Pötzsch, Nadine Rangosch, Karoline Schneider, Stefania Smolkina, Hanna Stiegeler, Ernst Sylvester, Clara Wieck, Katrin Winkler, Julia Zureck

Curatorial Team:
Benjamin Meyer-Krahmer, Clemens von Wedemeyer, Anke Dyes, Anna Jehle 

Initiated by: 
Nanette Snoep and Benjamin Meyer-Krahmer

 

AUSSTELLUNGSREIHE: GRASSI invites

Seit vielen Jahren ist die ethnologische Museumslandschaft in Europa stark in Bewegung. Manche sprechen sogar von einer grundsätzlichen Krise des Völkerkundemuseums: Namenswechsel, Neukonzeptionen der Dauerausstellung, interdisziplinäre Kooperationen, Zusammenarbeit mit sogenannten "source communities", künstlerische Interventionen und andere Experimente zeigen diese Veränderungen deutlich. Auch das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig reagiert auf diese Diskurse und möchte Raum für kritische Auseinandersetzungen bieten.

Die meisten Museen für Völkerkunde wurden während der Kolonialzeit gegründet: Hunderttausende Exponate aus Afrika, Asien, Ozeanien und den Amerikas sind Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts nach Europa gelangt. Viele dieser Exponate sind leider im Zuge gewalttätiger Kontexte gesammelt oder mindestens in Kontexten ungleicher Machtverhältnisse in die Museen gekommen.

Wie geht ein Museum mit seiner eigenen Sammlungsgeschichte um? Durch wen, wie und auf welchen Wegen sind die Objekte in das Museum gelangt? Wie zeigt ein Museum sogenannte fremde Kulturen? Wie wird die Komplexität von anderen Weltanschauungen vermittelt? Durch welche Formen der Präsentation, durch welche Dimensionen des Zeigens, wird etwas in einem Museum für Völkerkunde fremd oder weniger fremd? Wie wird die eigene Geschichte vermittelt und welchen Einfluss darauf haben die Verhältnisse, die zwischen Deutschland, Sachsen und der Welt in der Vergangenheit und heute bestehen?

Um diesen Fragen nachzugehen, organisiert das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig die Reihe "GRASSI invites", in der es Universitäten, Kunsthochschulen, Vereine aber auch Künstler oder Kuratoren aus den Herkunftsländern dazu einlädt, sich mit der Dauerausstellung zu beschäftigen.

 

www.grassiinvites.info 
Unsere Webseite für die Ausstellungsreihe "GRASSI invites" ist ein work in progress - sukzessive werden Hintergrundinformationen zu #1 fremd online gestellt.

 

 

Foto: Tom Dachs
Foto: Tom Dachs
Foto: Tom Dachs
Foto: Tom Dachs
Foto: Tom Dachs
Foto: Tom Dachs