Museum on the Couch III

"Museum on the Couch" bietet Studierenden einen interaktiven Ort, an dem diese die Möglichkeit erhalten, sich mit den Problemen, denen ethnologische Museen derzeit weltweit gegenüber stehen, sowohl theoretisch als auch praktisch auseinanderzusetzen, d.h. eigene Lösungsvorschläge oder Statements in Form von Installationen, Performances oder Anderem dem Publikum zu präsentieren.

Die TeilnehmerInnen des Moduls
Museums on the Couch - Reflexive und kreative Erforschungen in der Ethnologie des Sommersemester 2017 
präsentieren ihre Installationen, Interventionen und Performances in der Dauerausstellung des GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig.

Eine Kooperation zwischen dem GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig und dem Institut für Ethnologie der Universität Leipzig.

 

PROJEKTARBEITEN

DIGITAL NATIVES

Die Intervention von Hanna-Lena Roth, zu sehen an zwei verschiedenen Orten der Dauerausstellung, bricht mit dem Stereotyp des traditionellen und antifortschrittlichen "Indianers" und zeigt, dass Indigene heute gerade auch im Kampf um ihre Rechte moderne Technologien nutzen.

ENTERING THE DIALOGUE

Mit ihrer Feedback-Installation treten Sarah Liegmann, Sylvia Drevin, Sarah Müller und Wanda Schulz nicht nur mit kritischen Fragen an die Besucher heran. Auch geben sie diesen die Möglichkeit, selbst Fragen zu hinterlassen und am Ende des Museumsbesuchs ihre anfänglichen Erwartungen zu reflektieren. Es ist ein Projekt, dass sich in besonderer Weise mit den Erwartungen und Wünschen der Besucher beschäftigt und das diesen die Möglichkeit bietet, das Museum als Ort der Reflexion, des Austausches und der Diskussion zu erleben und zu nutzen.

LEIPZIGER

Die Installation von Clara Sebunya (13x16x35*), Mona Hempel (17x24x34), Lisa Fisel (14x15x32), Verena Siebeck (14x18x39), Raja-León Hamann (9x17, 8x32) und Anna-Tabea Roschka (11x14x34) setzt sich kritisch mit der etablierten Ausstellungpraxis ethnologischer Museen auseinander, mittels Objekten Kulturen zu präsentieren. Mit ihrer Präsentation des Leipzigers und seiner Kultur wollen sie den (Leipziger) Besucher verspüren lassen, dass der Versuch anhand von Objekten ein repräsentatives Bild (s)einer Kultur vermitteln zu wollen, eine Illusion bleibt. (* Maße des Hinterns (Tiefe x Höhe x Breite).

RITUALS OF DEATH

Hier setzen sich Diana Sánchez Llerena, Vittoria Fiore, Miranda Marks, Yuejia Peng, Nihan Uslu und Monika König performativ und multisensoriell mit dem Ableben eines Menschen auseinander. In einer Schattenperformance, die ebenfalls am Eröffnungsabend zu sehen ist, wird gezeigt, wie in Mexiko, Italien, der Türkei, den USA und China der Tod seinen rituellen Ausdruck findet. Indem die Studierenden persönliche Erfahrungen und Traditionen aus ihren Herkunftsländern aufgreifen, setzen sie ein Statement gegen Otherness und stereotype Generalisierungen. Auch beabsichtigt das Team mit seiner Performanz eine Verschiebung weg vom Objekt hin zu sozialen Erfahrungen. Zudem werden kleine interaktive Altare der jeweiligen Kulturen zu sehen sein, die physische Aspekte der Performanz aufgreifen. Hier wiederum findet eine Verschiebung weg von einer überbeanspruchten visuellen hin zu einer multisensoriellen Betrachtungsweise statt.

DAS MUSEUM ALS GEDENKORT

Die KuratorInnen des Projekts "Das Museum als Gedenkort - Blicke ins Ethnographische Museum, Rückblicke auf koloniale Verstrickungen" Isabelle Reimann, Clara Hopfgarten, Despoina Spyropoulou und Stefan Steuer verstehen ihr Projekt als Teil eines Prozesses, der die Kontinuitäten kolonialer Vergangenheit in der heutigen Gesellschaft und im öffentlichen Raum anerkennt und sichtbar macht. Als Teil dessen sollte jeder Besuch eines ethnografischen Museums auch zum Überdenken kolonialer Vergangenheit und Hinterlassenschaft anregen - als ein erster Schritt zur Entkolonialisierung von Ausstellungsräumen. Eine Informationstafel vor dem Gebäude, bestehend aus einem kurzen Text und einer Karte, verweist auf das GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig als einen der kolonialen Referenzpunkte im Stadtbild. Zusätzlich findet sich in der Dauerausstellung eine Vitrine, in der das Museum selbst vom Aussteller zum Ausstellungsobjekt wird. Damit möchte das Team den Blick für postkoloniale Perspektiven im und auf das Museum öffnen: Denn betrachtet man die Institution selbst als eine Gedenkstätte für Kolonialismus, besteht die Möglichkeit, die Objekte im Inneren als (Zeit-)Zeugen kolonialer Beziehungen zu betrachten, die eine Vielzahl an Geschichten einer geteilten Vergangenheit erzählen.

WER BIN ICH? - EIN OBJEKT STELLT SICH VOR

Mit ihrer Installation möchte Bettina Otto den Besucher auf ein von ihr gewähltes Objekt neugierig machen. Ein ethnologisches Museum ist gefüllt mit vielen verschiedenen Objekten. Doch was repräsentiert ein Objekt eigentlich? Für wen steht es? Wie wird ein Objekt im Museum gezeigt? In der Installation möchte die Studentin Besucher/innen dazu anregen, sich diese und ähnliche Fragen über die Objekte im Museum zu stellen. Anhand unterschiedlichster Aspekte stellt sich in dieser Installation ein Objekt selbst vor; fast als wäre es eine Person, die man neu kennenlernt. Der Weg im "Leben" des Objektes soll bis ins Museum hinein nachgezeichnet werden. Dabei werden Aussehen und Position im Museum zunächst nicht verraten. So kann die/der Besucher/in sich Stück für Stück ein eigenes Bild des nicht mehr anonymen Gegenstandes erschließen und mit Papier und Stift die Lösung des Rätsels finden. Na, welcher Gegenstand wird hier vorgestellt?

WHAT IS (YOUR) CULTURE?

Diese Frage stellen Lisa Horbach, Anna-Tabea Roschka und Paula Boslau Menschen aus aller Welt. Ausgehend von der Idee, dass Kultur mehr ist als überlieferte Tradition, sondern sich diese vielmehr ständig neu konstituiert, mit und durch die Menschen, die sie leben, ausmachen, reproduzieren und weiterentwickeln. Die Videoinstallation "What is (your) culture?" projiziert eine Neuerzählung von Kultur, illustriert von den Protagonisten selbst, in die Hallen des ethnografischen Museums. Was macht dich aus? Was ist dir wichtig? Wer oder was begleitet dich auf deinem Lebensweg? Dies sind die Fragen, die das Team über kulturübergreifende soziale Netzwerke in die Welt versandte. Das Resultat dieses Aufrufs ist eine vielfältige und zeitgenössische Collage, durch die sich Kultur als das jeweilige Selbstverständnis der Kulturschaffenden betrachten lässt oder Raum für ganz eigene Interpretationen bietet.

 

Die TeilnehmerInnen bieten mittwochs sowie an den Wochenenden ab 15 Uhr Touren durch die Ausstellung an.

Mehr Informationen zum Seminar unter:http://www.mvl-grassimuseum.de/veranstaltungen/museum-on-the-couch/

 

 

Seminarteilnehmer 2017, Foto: Bernard Müller
Seminarteilnehmer 2017, Foto: Bernard Müller