Rundgänge in einer Welt

Die Dauerausstellung lädt zu einer Reise durch alle Kontinente der Erde ein. Farbenfrohe Kleidung, Textilien, Plastiken, Gefäße, Waffen, Schmuck und andere Accessoires erzählen von längst vergangenen Wanderungen, von kulturellen Kontakten, von einer engen Verbindung zwischen religiösem Denken, symbolischer Reflexion und praktischer Lebensgestaltung: präsentiert werden Kunst und Alltag in den Kulturen der Welt.

Die Exponate im Abschnitt Südostasien zeigen nicht allein die Unter­schiede und Verwandtschaften der ausgewählten Kulturen und ­Ethnien, ihr ästhetisches Empfinden und ihr handwerkliches Können, sie ­erzählen auch von der Verbindung zwischen religiösem Denken, symbolischer Reflektion und praktischer Lebensgestaltung. Der Gebrauch spezieller Schmuckformen, Waffen und Kleidung ist oft an eine religiöse oder gesellschaftliche Funktion gebunden.

Im Bereich Südasien stehen Sri Lanka, der indische Kulturraum sowie die Kulturen der Ureinwohner der Region im Mittelpunkt der Ausstellung. In dem der Inselkultur Sri Lankas gewidmeten Ausstellungsteil werden die Inhalte des Kolam-Theaters sowie des Götter- und Dämonenglaubens erläutert. Der indische Kulturraum stellt sich mit der ganzen Fülle von Erzeugnissen des Kunsthandwerks vor. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist der Dorfkomplex aus Kutch, der von Kunsthandwerkern dieser Region aufgebaut wurde.

Im Ausstellungsbereich Mongolen und Tibeter wird ein zusammen­hängender Kulturraum vorgestellt, der sich vom Südhang des Himalaya und seiner Ausläufer nord- und westwärts durch sechs Länder (­Indien, ­Nepal, Bhutan, China, ­Mongolei, Russland) von Asien bis nach Europa an die Wolga erstreckt. Im Mittelpunkt stehen dabei der tibetische ­Buddhis­mus ("Lamaismus") und die Wander­viehwirtschaft ("­Nomadismus") als zwei Gemeinsamkeiten, welche die ganze Region durchziehen. In diesem Abschnitt der Ausstellung befindet sich auch der ­Hermann-Freiherr-Speck-von-Sternburg-Raum.

Der Ostasien-Abschnitt mit China und Japan greift die "Bilder" auf, die wir von diesen Ländern haben, reflektiert und hinterfragt sie. Neben Zöpfen, gebun- denen Füßen, Stäbchen, Porzellan, Samurai und ­tra- ditioneller Medizin spielen die chinesischen Schriftzeichen als spezielle "Bilder" eine besondere Rolle. Der Großraum Nordostasien besteht aus dem Fernen Osten Russlands, Korea, Nordjapan und Nordost­china. Ein gemeinsames Merkmal der Völker dieser Region ist der Schamanismus. Präsentiert wird auch die Ainu-Sammlung, die mit über 700 Objekten zu den größten Europas zählt. Einmalig sind die fünf von weltweit neun Federgewändern der ­Kurilen-Ainu, von denen eines in der ­Ausstellung zu sehen ist.

Die Orient-Ausstellung "Kulturen im Dialog" stellt das Miteinander von Menschen unterschiedlicher ethnischer und religiöser Zugehörigkeit des Nahen und Mittleren Ostens und die Wechselbeziehungen zwischen Nomaden und Sesshaften in Mittel- asien dar. Im Mittelpunkt stehen die Basare, Tee- und Kaffeehäuser. Am Beispiel von Amuletten und Talismanen wird die Vielfalt des Volksglaubens in Nordafrika ­thematisiert. 2004 erhielt das Museum die Kollektion der Stiftung Sammlung Dr. Bir als Dauerleihgabe. Diese orientalische Schmucksammlung umfasst 3.000 Stücke und ist die größte private Sammlung, die dem Museum je übertragen wurde. Ein Teil dieser kostbaren Schmuckstücke wird in einer Kabinettausstellung präsentiert.

Lange Zeit galten Ost- und Südafrika in Europa als geheimnis­umwit­ter­tes Goldland des Altertums. Das "Reich des Priesterkönigs Johannes" und "König Salomos Minen" wurden häufig in diese Region verlegt. In den Steinbauten Simbabwes und den einst blühenden Handelszentren der Ostküste können die Besucher den Spuren dieser Legenden folgen. In der Ausstellung begegnen uns aber auch San (Buschmänner) und die Hirtennomadenvölker der Masai und Herero. Besonders beeindruckend sind die zahlreichen ­Masken der ostafrikanischen Makonde. Die in der Ausstellung skizzierten Völker West- und Zentralafrikas, wie die Fischer und Reisbauern der Bissagos-Inseln, die Fulbe-Rinder- nomaden in Burkina Faso und die Pygmäen zeigen beispielhaft die kulturelle Vielfalt und historische Tiefe der afrikanischen Gesellschaften. Werke der Kunst Benins gehören zu den gesuchtesten und am meisten geschätzten Objekten afrikanischer Kunst überhaupt. Die Leipziger Benin-Sammlung zählt heute zu seinen größten Kostbarkeiten und nimmt einen herausragenden Platz in der Ausstellung ein.

Der Ausstellungsbereich Die Amerikas vermittelt die Vielfalt nicht nur der indianischen Kulturen auf diesem Kontinent. Die Darstellung der afroamerikanischen Kultur Südamerikas greift die Themen ­Religion und Integration auf. Wunderschöne Federarbeiten aus dem Amzonasgebiet sowie eine umfangreiche Keramiksammlung aus dem Andenraum werden präsentiert. Am Beispiel der ­indianischen Ethnie Tarahumara soll der sanfte Übergang aus einer traditionellen in eine modern geprägte ­Lebensweise gezeigt werden. Die Ausstellung "Nordamerika" greift die Kultur der "­klassischen Indianer" der Plains auf. Kernstück und Raum für ­Veranstaltungen ist ein begehbares Tipi.

Die Kulturen der Aborigines in Australien sind die ältesten der Menschheit. Die Ausstellung zeigt deren Kultur mit ihren Mythen, Traditionen und ihrer Anpassung an die heutige Welt. Besonders eindrucksvoll ist ein Ensemble aus Grabpfosten der Tiwi, in welchem ein lebensecht gestalteter Tänzer die Besucher die Dramatik eines Corroboree erahnen läßt. Im Bereich Ozeanien werden viele Objekte gezeigt, die noch nie zuvor zu sehen waren. Dabei steht Fiji als exemplarische Verbindungsstelle zwischen Melanesien und ­Polynesien im Mittelpunkt. Die Fiji-Sammlung zählt zu den ältesten der Welt. Flache Atolle sind weltweit durch steigende Meeresspiegel gefährdet. Betroffen davon sind auch die Bewohner von Tuvalu . Lokale Baumeister der Insel errichteten im Museum, speziell für die Ausstellung, ein traditionelles Wohn- und Schlafhaus als Zeugnis ihrer bedrohten Kultur.

Häuptlingsschmuck aus Pottwalzähnen, Fidji/Polynesien, Sammlung Godeffroy, 1895, Foto: Ingrid Hänse
Häuptlingsschmuck aus Pottwalzähnen, Fidji/Polynesien, Sammlung Godeffroy, 1895, Foto: Ingrid Hänse
Medizinbuddha als Bodhisattva, sinotibetische Bronze, vergoldet, 18. Jahrhundert, Peking, China, Sammlung Speck v. Sternburg, 1909, Foto: Ingrid Hänse
Medizinbuddha als Bodhisattva, sinotibetische Bronze, vergoldet, 18. Jahrhundert, Peking, China, Sammlung Speck v. Sternburg, 1909, Foto: Ingrid Hänse
Mantelverschluß, Silber mit Karneolen, Teke, Turkmenistan, Sammlung Dieke, 1967, Foto: Ingrid Hänse
Mantelverschluß, Silber mit Karneolen, Teke, Turkmenistan, Sammlung Dieke, 1967, Foto: Ingrid Hänse
Buddha, Tibet, Foto: Ingrid Hänse
Buddha, Tibet, Foto: Ingrid Hänse
Bronzekopf, Benin, Foto: Ingrid Hänse
Bronzekopf, Benin, Foto: Ingrid Hänse
Gefäß mit Eulendarstellung, Peru, Moche-Kultur, Foto: Ingrid Hänse
Gefäß mit Eulendarstellung, Peru, Moche-Kultur, Foto: Ingrid Hänse