Afrika

Völker und Kulturen - Teil der Dauerausstellung "Rundgänge in einer Welt"

Seit dem 2. Februar 2008 präsentiert das Museum für Völkerkunde zu Leipzig den Dauerausstellungsteil "AFRIKA - Völker und Kulturen". Das Museum besitzt trotz des Verlustes wertvoller Objekte im Zweiten Weltkrieg über 45.000 afrikanische Objekte, davon knapp 39.000 aus dem Afrika südlich der Sahara. Der überwiegende Teil wurde bis 1918 erworben. Vor allem während der deutschen Kolonialzeit gelangten Sammlungen aus Kamerun, Togo, Deutsch-Ostafrika (Tansania) und Deutsch-Südwestafrika (Namibia) in das Museum. Aber auch aus vielen anderen Gebieten West-, Zentral-, Ost- und Südafrikas erhielt das Museum überwiegend von deutschen Forschern und Reisenden Sammlungen.Der Rundgang beginnt mit zwei Vitrinen, die das Gebiet des Nahen Ostens darstellen, speziell den Irak und die zum Jemen gehörende Insel Sokotra. Blickfang ist eine Guffa, ein Rundboot, das seit ältesten Zeiten bis ins 20. Jahrhundert hinein auf Euphrat und Tigris in Gebrauch war. Eine kleine Sammlung von Gegenständen aus der ägyptischen Oase Siwa, die von Berbern bewohnt ist, bildet den Übergang zu den Kulturen Nordafrikas. Ein Jahrtausende alter Kulturaustausch mit Einflüssen aus der gesamten Mittelmeerregion einerseits und der Sahelzone am Südrand der Sahara andererseits prägte Nordafrika. Gleichermaßen gestalteten vielfältige soziale und wirtschaftliche Wechselbeziehungen das Leben der Menschen in den Städten, in der Wüste und in den Oasen. Die Ausstellung thematisiert, wie sich die Menschen mit ihrer schwierigen Umwelt zu arrangieren verstanden und mit welchen Gefahren sie heute konfrontiert werden. Der Besucher erfährt z.B., welche Bedeutung der traditionelle Markt "suq" hat und lernt das Leben in Haus, Hof und in den Zelten kennen, welches dem fremden Gast in islamischen Ländern sonst verborgen bleibt, weil es die Domäne der Frau ist.Werke der Kunst Benins gehören zu den gesuchtesten und am meisten geschätzten Objekten afrikanischer Kunst überhaupt. Die Benin-Sammlung des Leipziger Völkerkundemuseums zählt heute zu seinen größten Kostbarkeiten und wird in der neuen Dauerausstellung einen herausragenden Platz einnehmen. Die hoch entwickelte Kunst des Bronzegusses und der Elfenbeinschnitzerei des Königreichs Benin (im heutigen Nigeria) demonstriert in herausragender Weise Größe und Pracht der afrikanischen Kulturen.

Eine einzigartige und umfangreiche Sammlung ist auch die von Leo Frobenius aus Westafrika oder die Sammlung des ehemaligen Museumsdirektors Karl Weule. Die Ausstellung zeigt zahlreiche Masken der ostafrikanischen Makonde, von denen das Museum die weltweit bedeutendste Sammlung besitzt. Die Ausstellung ist so konzipiert, dass sie Kunstkenner ebenso anspricht, wie Besucher, die sich für das Leben anderer Völker interessieren. Als Einzelstück werden z.B. präsentiert: der "Meister von Buli", eine kunstvoll geschnitzte Holzplastik aus Zentralafrika, eine Prunkaxt als Würdezeichen oder geschnitzte Palmweinbecher in Form menschlichen Figuren aus dem Kongo.


Lange Zeit galten Ost- und Südafrika in Europa als geheimnisumwittertes Goldland des Altertums. In den beeindruckenden Steinbauten Simbabwes und den einst blühenden Handelszentren der afrikanischen Ostküste können die Ausstellungsbesucher den Spuren dieser Legenden folgen. In Ost- und Südafrika finden sich die frühesten Spuren der Menschheit. Recht urtümlich erscheinen auch die San (Buschleute/Buschmänner), deren Kultur aber nicht als "Reste der Steinzeit" ausgestellt wird, sondern als typisches Zubehör einer Lebensweise als hochentwickelte Jäger und Sammler.

Die in der Ausstellung skizzierten Völker West- und Zentralafrikas, wie die Fischer und Reisbauern der Bissagos-Inseln, die Fulbe-Rindernomaden in Burkina Faso und die Pygmäen des äquatorialen Regenwaldes zeigen beispielhaft die kulturelle Vielfalt und historische Tiefe der afrikanischen Gesellschaften. Überwiegend aus dem 19. Jh. und vom Anfang des 20. Jh. stammend, spiegeln die Objekte die afrikanischen Kulturen dieser Zeit wider, sind aber häufig auch noch lebendiges Erbe im heutigen Afrika. Der Aufbau der afrikanischen Staaten seit ihrer Unabhängigkeit in den sechziger Jahren vollzieht sich heute unter schwierigen Bedingungen, die auch die Existenz und Lebensweise der Menschen beeinflussen. Geringe Entwicklungschancen und Korruption, Auswirkungen der Globalisierung, ökologische Probleme, die Zunahme von Aidserkrankungen und schwere innere Krisen sind nur einige der Hauptursachen. Die Ausstellung informiert zu vielen dieser Themen, aber auch über Fortschritte der Schul- und Universitätsausbildung und neue Trends in der modernen, global orientierten afrikanischen Kunstszene.

Fayence-Schüssel aus Fés Marokko, Nordafrika, Foto: Karin Wieckhorst
Fayence-Schüssel aus Fés Marokko, Nordafrika, Foto: Karin Wieckhorst
Maske der Makonde, Holz, Ostafrika Foto: Karin Wieckhorst
Maske der Makonde, Holz, Ostafrika Foto: Karin Wieckhorst
Kopfplastik Bronze, 18. Jahrhundert Benin (Nigeria), Foto: Ingrid Hänse
Kopfplastik Bronze, 18. Jahrhundert Benin (Nigeria), Foto: Ingrid Hänse
Palmweinbecher in Kopfform, Holz, Kuba Zentralafrika, Foto: Karin Wieckhorst
Palmweinbecher in Kopfform, Holz, Kuba Zentralafrika, Foto: Karin Wieckhorst