Ein Vogelhaus aus der Südsee

Vogelhaus aus der Südsee Me 16574 a, b; 1934/23
Vogelhaus aus der Südsee Me 16574 a, b; 1934/23

Dieses fragile Objekt stammt aus dem Mittleren Neuirland, zu deutscher Kolonialzeit auch Neu Mecklenburg genannt. Die Inselgruppe von Neuirland, welche als Provinz zum Staat Papua New Guinea gehört, liegt im Südpazifik, 1000 Meilen nordöstlich von Australien.

Das Leipziger Museum für Völkerkunde besitzt viele herausragende Gegenstände von dort. Das sogenannte "Vogelhaus" ist jedoch das einzige erhaltene seiner Art weltweit. Es war ein Glanzstück in der ersten neuen Dauerausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg, 1954. Wie das Foto aus dieser Ausstellung zeigt, war es schon damals, vor 53 Jahren, nicht in der besten Verfassung. Es wurde vor dem ersten Weltkrieg für eine einmalige Nutzung von den Bewohnern Neuirlands hergestellt und ist in sich nicht mehr sehr stabil, dennoch hat es ein ganzes Jahrhundert überdauert.

Das Haus besteht aus pflanzlichem Material, Holz, Rotangstreifen und Rohrabschnitten sowie Pandanusblattstreifen und ist (war) mit weißen Federchen verziert. Um es überhaupt unseren Besuchern präsentieren zu können, sind dringend Sicherungs- und Restaurierungsmaßnahmen nötig. Die Ausstellung des Objektes ist im Eingangsbereich der neuen Dauerausstellung Ozeanien geplant.

An seinem Ursprungsort war das Haus Teil einer "Malangan" genannten Zeremonie, die die Trauerzeit um einen verstorbenen Angehörigen beendete. Die Bezeichnung "Vogelhaus" erhielt das 2,5 x 1,5 m große Flechtwerk von seiner Funktion. Aber auch das kleine Haus selbst hat die Form eines Vogels, wobei es sich bei dem hochstehenden Teil um den Schwanz handelt. Die vertikalen breiten Streifen in der Mitte stellen die Beine mit Krallen dar. Farben, Flechtart und Material, vor allem der Federn, sie alle haben eine Bedeutung und Symbolik. Ein solches Haus war an dicken Rotangseilen zwischen Pfosten und Bäumen über dem Festplatz mit den Malanganschnitzereien aufgehängt. Unbemerkt von den Anwesenden stieg einer der Totenwächter in das Häuschen ein und erzeugte auf einer Reibtrommel einen vogelstimmenartigen Ton. Auf Zuruf des wichtigsten Mannes begann sich das Haus dann an den Seilen vorwärts zu bewegen. Dies geschah sehr zur Überraschung der Tanzenden, die sich fragten, wo die Töne herkämen. Der Ton wurde als Stimme der Toten interpretiert, das schwebende Haus als Vogel, bewegt von dem "Wind" der Reibtrommel.

Aber schon um 1900 scheinen solche Zeremonien im Zusammenhang mit den Malangan-Feiern, vor allem aus Kostengründen und wohl wegen der Knappheit an Nahrungsmitteln, sehr selten gewesen zu sein. Auch diese Tatsache erhöht den Wert dieses Objektes beträchtlich. Es wird vermutet, dass es sich bei dem dargestellten Vogel um den dort einheimischen Nashornvogel handelt, dessen lachendes Schreien zu dem Klang der Reibtrommel in Verbindung gebracht werden kann.

Angesichts der Tatsache, dass unser Haus das weltweit einzige Exemplar und damit Zeugnis für diese kulturelle Tradition ist, scheint es um so wichtiger, dieses nicht gerade kleine "Vogelhaus" für die Nachwelt zu bewahren. Aus diesem Grunde suchen wir Sponsoren für seine Restaurierung.