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Anthropologische Sammlung

Anthropologische Messgeräte, Foto Eva Winkler
Anthropologische Messgeräte, Foto Eva Winkler
Kopfabgüsse außereuropäischer Bevölkerungsgruppen, Foto Eva Winkler
Kopfabgüsse außereuropäischer Bevölkerungsgruppen, Foto Eva Winkler

Auf Initiative von A. B. Meyer wurde das "Anthropologische Kabinett" des Naturhistorischen Museums in das 1875 gegründete "Königliche Zoologische und Anthropologisch-Ethnographische Museum" einbezogen. Die anthropologische Sammlung umfasste zunächst nur die Teile der von Carl Gustav Carus angelegten medizinhistorischen Anschauungsstücke aus der aufgelösten Medizinisch-Chirurgischen Akademie zu Dresden.
Mit der Entfaltung der Naturwissenschaften im 19.Jh. wurde der Anthropometrie hohes Gewicht beigemessen. Eine Sammlung historischer Instrumente dokumentiert die Entwicklung. Serien menschlicher Skelettreste aus allen Erdteilen, Schädelsammlungen und Gipsbüsten wurden als Forschungsmaterialien erworben. 1910 umfasste der Bestand bereits 4300 Nummern. Nach Einschätzung der Dresdner Anthropologin Ingrid Wustmann widerspiegelt die Dresdner Sammlung "verschiedene Epochen der anthropologischen Wissenschaftsgeschichte".
Einzelstücke aus der Blütezeit der Phrenologie des Franz J. Gall und seiner geistigen Nachfolger dürften heute in den craniologischen Sammlungen zu den Seltenheiten zählen. Die auch nach Carus’ Tod fortgeführte Sammlung von Schädeln und Gipsbüsten hält uns die vorurteilsbelastete physiognomische Theorie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts vor Augen. Ein besonderes Spezifikum der Sammlung sind menschliche Knochen, die im Rahmen der Ahnenverehrung bzw. post mortem verziert worden sind, auch solche, die aus verschiedenen Gründen intra vitam deformiert wurden. Die Skelettreste aus Sachsen bieten wertvolles Studienmaterial für den Zeitraum, der von ur- und frühgeschichtlichen Institutionen nicht mehr erfasst wird.
Im Dezember 1979 wurde die anthropologische Sammlung in Dresden nach dem 2. Weltkrieg wieder zugänglich gemacht. In Zusammenarbeit mit der Rudolf-Virchow-Sammlung Berlin wurde sie bis 1999 von der Anthropologin I. Wustmann fachwissenschaftlich betreut und für die internationale Arbeit erschlossen. In der Zusammenarbeit der beiden bedeutendsten Sammlungen in Dresden und Berlin wurde an den historischen Ausgangspunkt der anthropologischen Forschungen und Sammlungen angeknüpft, denn bereits der erste Direktor des Dresdner Museums, A. B. Meyer, hatte die "hohe Autorität Virchows als Anthropologe" erkannt und in Zusammenarbeit mit ihm seine von Reisen mitgebrachten Schädelserien bearbeitet und publiziert.

Ansprechpartner:

Nanette Jacomijn Snoep
Tel.: 0351/49 14 3400 
nanette.snoep@skd.museum