Der Sammlungsbereich Südostasien des Leipziger Völkerkundemuseums umfasst ca. 11.000 Objekte. Sie stammen vor allem aus Indonesien, Thailand und Birma. Sammlungen kleineren Umfanges besitzt das Museum auch von den Philippinen und aus Vietnam. Von der Malaysischen Halbinsel stammt eine Gruppe von 169 Gegenständen der Semang und Senoi, die der Wiener Ethnologe Paul Schebesta in den 20er Jahren des 20. Jh. zusammentrug.
Objekte aus Südostasien finden sich bereits im Gründungsbestand des Museums. Die Hauptzeit der Entstehung der Südostasien-Sammlungen lag jedoch in den Jahrzehnten am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts. Die aus diesem Zeitraum stammenden Objektbestände dokumentieren eine wichtige Umbruchphase innerhalb der Kulturen dieser Region. Während es in Thailand unter der Regierung König Chulalongkorns gelang, die staatliche Unabhängigkeit des Landes zu wahren, fand in den anderen Gebieten der Region die Durchsetzung der europäischen und amerikanischen Kolonialherrschaft ihren Abschluss.
Sammler wie Dr. v. Noetling, der dem Museum 1896 seine umfangreiche Birma-Sammlung schenkte, standen nicht selten im Dienste der Kolonialmächte. Andere, wie Th. Dannert, von dem das Museum zahlreiche Gegenstände der Batak-Kultur aus dem Norden der Insel Sumatra erwarb, waren als Missionare tätig.
Auch die Leipziger Verlegerdynastie Meyer trug mit großzügigen Schenkungen zur Bereicherung der Kalimantan- und Philippinienbestände bei.
Bereits in der Zeit vor dem 1. Weltkrieg beteiligte sich das Museum an der Finanzierung und Ausstattung von Forschungs- und Sammelreisen nach Südostasien bzw. erwarb Kollektionen, die im Verlaufe solcher Reisen zusammengestellt worden waren. Der systematische Sammlungserwerb endete mit der nationalsozialistischen Machtergreifung und konnte auch nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr fortgesetzt werden.
Erst mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten war es möglich, die gezielte Sammeltätigkeit im Rahmen von Forschungsreisen und Sammlungsankäufen wieder aufzunehmen.
Heutige Sammlungsschwerpunkte sind vor allem die Schließung von Bestandslücken und der Erwerb von Gegenständen, die die kulturelle Entwicklung Südostasiens in der Gegenwart anschaulich dokumentieren.
Ansprechpartner:
Dipl. Ethn. Dietmar Grundmann
Tel. 0341/9731-906
dietmar.grundmann@ses.museum