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Karin Wieckhorst - Sichtbarmachen

Fotografie von 1968 bis 2007
22.9-28.10.2007

Die Fotografin Karin Wieckhorst, die seit 1965 dem Leipziger GRASSI Museum für Völkerkunde als Mitarbeiterin angehört, zeigt anlässlich der Beendigung ihrer dortigen Tätigkeit eine akzentuierte Werkschau ihrer freien künstlerischen Projekte, die von Beginn an das eigentliche Zentrum ihrer Produktion bildeten und ihre öffentliche Wahrnehmung als Künstlerin bestimmten. Dabei spannt sich der Bogen von den legendären Aufnahmen der Sprengung der Leipziger Universitätskirche im Mai 1968 bis hin zu aktuellen Recherchen in oft entlegenen Weltgegenden, die jenseits aller exotischen Folklore den Blick auf die jeweiligen Konditionen menschlichen Lebens und Überlebens richten.

Durch alle thematischen Ausweitungen und zeitgeschichtlichen Zäsuren hindurch bleibt dabei ein waches Gespür für signifikante Momente wirksam, das Gesichtern, Interieurs und Außenräumen ein hohes Maß an bildprägnanter Kenntlichkeit abgewinnt und letztlich die erfahrene Flüchtigkeit der Realität zu präzisen Erinnerungen verdichtet.

Einem größeren Publikum ist Karin Wieckhorst bereits durch die umfangreiche Serie der "Begegnungen in Ateliers" bekannt geworden, die nonkonforme Impulsgeber der DDR-Kunstszene im produktiven Zusammenhang ihrer Arbeitsräume und ihrer Werkausprägung vorstellen und neben ihrer zeitlosen Authentizität enorm viel zum bewahrenden Bildgedächtnis jener spannungsreichen Jahre beigetragen haben. Ebenso dokumentieren frühere Vorhaben wie "körperbehindert" (1980 - 1985), die vergleichende Ortsbefragung "OSTBERLIN 1983 - 1986", "Berliner Wiederholung" (1998) sowie etwa der Zyklus "FREMDE. Asyl in Sachsen" (1992 - 1993) ein anhaltendes und ausgeprägtes Interesse der Künstlerin an sozialen Fragestellungen ihres unmittelbaren Lebensfeldes.

Diese menschlich anteilnehmende Art und Weise ihrer Welterfahrung konnte Karin Wieckhorst fortan auf ertragreichen Reisen, die sie unter anderem auf die Kola-Halbinsel, in den Iran und die Mongolei, nach China, Nepal und in den Niger führten, in vorher ungeahnter Intensität fortsetzen und vertiefen. Die dabei gewonnen Eindrücke und Begegnungen innerhalb weitgespannter Lebensmöglichkeiten haben ihren Arbeiten gleichsam eine wissende Anschaulichkeit verliehen, die von präziser Beobachtung und vorurteilsfreiem Verständnis gleichermaßen geprägt ist und die sich auf den Betrachter als sichtbar gemachte humane Hoffnung überträgt.

Bilder zu Ausstellung

Murmansk, 1999, Foto: Karin Wieckhorst
Das Granatapfelhaus, Iran, 2000, Foto: Karin Wieckhorst
Uni-Kirche Leipzig, 30. Mai 1968, 10.01 Uhr Foto: Karin Wieckhorst
Niger, 2006, Foto: Karin Wieckhorst