de

Das Dresdner Damaskuszimmer: Geschichte und Präsenz eines Raumes zwischen Orient und Okzident

Ein Schmuckstück aus der historischen Altstadt von Damaskus lagert in Dresden – und könnte dazu beitragen, unser Bild vom Orient und von Syrien zu verändern. Das Dresdener Damaskuszimmer besteht aus einer prächtig mit Blattmetallen verzierten und bemalten Wand- und Deckenvertäfelung (datiert 1810-11) und zierte bis 1899 den Empfangsraum für Gäste in einem noblen Wohnhaus in Damaskus. Das Zimmer ist durch den Verkauf nach Deutschland und die hiesige jahrzehntelange Depotlagerung den üblichen Übermalungen und Renovierungen entgangen, denen die Zimmer durch die fortwährende Nutzung als Wohnräume in Damaskus ausgesetzt waren. Zudem ist es eines der wenigen Interieurs dieser Art, bei dem der ursprüngliche Zusammenhang der Teile erhalten blieb und nicht erst für den westlichen Kunstmarkt kreiert wurde.

Foto: Dr. Anke Scharrahs
Foto: Dr. Anke Scharrahs

Der Gründer des Museum Folkwang (heute in Essen), Karl Ernst Osthaus, hatte es 1899 nach einer seiner Reisen gekauft. Osthaus hatte in seinem Sammeleifer übersehen, dass die Räumlichkeiten in seinem Privatmuseum nicht ausreichten, um dieses Zimmer mit seiner stattlichen Raumhöhe von 5,40 m auszustellen. Das Zimmer blieb verpackt, kam als Schenkung 1930 nach Dresden und sollte Teil der im Aufbau befindlichen Orientabteilung des Völkerkundemuseums Dresden werden. Aber erst 1997 rückte es wieder in den Fokus, als erste Schritte zur Konservierung, Restaurierung und Wiederaufstellung des Zimmers unternommen wurden.

Seit April 2014 ermöglicht die Museum and Research Foundation die Fertigstellung der Restaurierung in einem zweijährigen Projekt. Die Wand- und Deckenpaneele sind mit komplexen Techniken und vielfältigen Materialien aufwändig verziert, die im Zusammenspiel mit spannungsreichen Überzügen von der Restaurierung 1899 unterschiedlichste Schadensbilder hervorgebracht haben. Nach Abschluss der Restaurierung wird die ungewöhnlich gut erhaltene, originale Oberflächendekoration mit erhabenen, metallverzierten Ornamenten und farbenfrohen Malereien wieder sichtbar sein und einen einzigartigen Eindruck von der hoch entwickelten Wohnkultur in einer der ältesten, kontinuierlich bewohnten Städte der Welt vermitteln.

Foto: Dr. Anke Scharrahs
Foto: Dr. Anke Scharrahs
Foto: Dr. Anke Scharrahs
Foto: Dr. Anke Scharrahs

Das Projekt erlaubt faszinierende Einblicke in die komplexen Dekorationstechniken, bei denen unterschiedlichste Materialien zur Verzierung eingesetzt wurden: Blattgold, Zinnfolie, Blattkupfer, fünf verschieden gefärbte, transparente Naturharzlacke, matte Leimfarben mit Auripigment und Smalte sowie unterschiedliche Temperafarben unter Verwendung von Bleiweiß, Karmin, Indigo, Grünspan, Zinnober und Mennige. Mit diesen raffiniert kombinierten Farben und Blattmetallen wurde das Zimmer mit kostbar wirkenden Mustern und Malereien geschmückt, die an indische, persische und osmanische Seidenstickereien, Baumwolldrucke und Teppiche erinnern.
Laufzeit:
2014 bis 2016

Projektverantwortlich:
Dr. Anke Scharrahs, freie Restauratorin