Bootsmodell vom Atoll Ulithi

Bootsmodell vom Atoll Ulithi
Bootsmodell vom Atoll Ulithi

Ulithi ist eine Inselgruppe nordöstlich von Yap. Yap liegt im westlichen Pazifik, östlich von Palau und gehört als Staatswesen zu den Federated States of Micronesia. Die Hauptinseln, die Yap Proper bilden, befinden sich am Rand der asiatischen Festlandsplatte und sind von einem großen Riff umgeben. Es handelt sich um hohe Inseln mit vulkanischem und kontinentalem Gestein. Die sogenannten Outer Islands of Yap hingegen sind Koralleninseln, über weite Meeresflächen verteilt. Sie sind nur schwach besiedelt. Die Sprache der Yapesen unterscheidet sich von den auf den Outer Islands gesprochenen Sprachen. Die Outer Islands gehören linguistisch und kulturell zu den Karolinen. Zwischen Yap und den dazugehörigen Outer Islands besteht seit Menschengedenken ein Tributsystem, der Sawey, welcher im Osten bis zu den Outer Islands von Chuuk reicht. Die Bewohner dieser Riffinseln sind jeweils bestimmten Regionen auf Yap tributpflichtig, im Falle von Ulithi ist dies Gachpar auf Yap. Der Sage nach stammte die erste Frau in Ulithi von dort. 106 Seemeilen und der große Yap Trench (größte Tiefe 8.500 m) trennen die Inseln. Der Warenaustausch besteht vor allem in Nahrungsmitteln, Matten, gewebten Schurzen, Kokosöl und Kokosfaserschnur. Im Gegenzug kommen heute Importwaren aus Yap zurück.

Hochseetüchtige Auslegerboote spielten so zum Transport von Waren und im Kontakt untereinander eine große Rolle. Dieses Modell zeigt ein solches großes Boot. Sein Name ist mit "beubu" angegeben. Viele tausend Seemeilen wurden von den Inselbewohnern so zurückgelegt. Um eine optimale Ausnutzung des Windes zu erzielen und auch, um gegen den Wind zu segeln, kann der Mast des Segels vom einen Ende des Bootsrumpfes zum anderen Ende hin verlegt werden.

Ist das Reiseziel erreicht, so kann nicht einfach überall angelandet werden, sondern bestimmte Orte sind zu respektieren. Das Boot bleibt nicht am Riff liegen, sondern wird mit vereinten Kräften von der Mannschaft und den Inselbewohnern an Land gebracht, wo es im Abstand von der Brandung mit Kokosfiederblättern oder alten Matten bedeckt wird, damit es durch Sonneneinstrahlung und Wind keinen Schaden nimmt. Im Männerhaus werden die Gäste dann empfangen. Alle bis auf den Bootsführer, dem eigentlichen Navigator, dürfen sich dann auf der Insel frei bewegen, er jedoch muß, um einen sicheren Rückweg zu gewährleisten, im Männerhaus bleiben. Noch bis heute sind Menschen in dieser Weltregion mit solchen Booten unterwegs. Der große Vorteil besteht darin, daß keine Treibstoffkosten anfallen.

Der Bau eines solchen (Original-)Bootes ist mit Tabus belegt. So muß der Bootsbaumeister strikte Enthaltsamkeit üben und erhält spezielle Nahrungsmittel. Bauholz ist fast nicht vorhanden, was die Form des Bootskörpers aus mehreren großen Holzteilen erklärt.

Innerhalb der Familien wird nicht nur das Wissen um den Bootsbau, sondern auch um die Navigation weitergegeben. Eine Fülle von Naturbeobachtungen und Kenntnissen sind dafür erforderlich. Die Orientierung erfolgt nachts am Stand der Sterne (was natürlich das Wissen darüber voraussetzt, wo und wann die Sterne auf und untergehen), nach Sonne und Mond, der Richtung und dem Geräusch der an die Bordwand schlagenden Wellen. Tagsüber etwa aufgrund von Wolkenformationen und deren Farben, die über Inseln am Himmel stehen. Vögel und Pflanzenteile verweisen ebenfalls auf Land. Letztlich wird dieses Wissen den Navigatoren schon von klein auf mitgegeben und sie lernen durchaus praktisch auf den langen Fahrten zu benachbarten Atollen von Vätern, Onkeln und Großvätern die Kunst, im Meer, dem Himmel und dem Wind zu lesen.

Dieses Bootsmodell zeigt ein großes Transportboot mit einem Hüttenaufbau und einer geschützten Ladung auf der Transportplattform. Die Hütten sind entweder zur Lagerung von empfindlichem Gut, oder aber auch zum Aufenthalt für den Bootsführer bestimmt.

Gesammelt wurde dieses Modell von dem deutschen Bezirksamtmann Arno Senfft (1864-1909). Es gelangte 1904 in unser Haus. Es soll neben anderen Bootsmodellen aus der Südsee in unserer neuen Dauerausstellung gezeigt werden.

Dank der Unterstützung von Dr. Michael und Birgit Schärfe konnte dieses Objekt restauriert werden.