Ein chinesisches Schachspiel mit Figuren aus Elfenbein

Schachspiel mit Figuren aus Elfenbein
Schachspiel mit Figuren aus Elfenbein

Das Schachspiel trägt die Inventar-Nr. OAs 661 und gehört zur Sammlung Otto Martin, die 1899 in unser Haus kam.

Die Sammlung Martin gehört somit zu den ganz frühen Sammlungen des Museums. Sie enthält vorwiegend kunsthandwerkliche Objekte aus China und Japan, die auf den Reisen des Sammlers erworben wurden.

Das Spielfeld (gebildet aus dem aufklappbaren Holzkasten, der die Figuren enthält) und auch die Figuren selbst weisen das Spiel zunächst einmal als "internationales Schach" aus. Das Schachspiel wurde also zweifellos für den Export bzw. für Ausländer, die sich in China aufhielten, hergestellt. Stil und Machart sprechen für eine Entstehungszeit Mitte des 19. Jahrhundert. Spätestens nach der mit den Opiumkriegen (1839-1842 und 1856-1860) einhergehenden Unterwerfung Chinas unter westliche Interessen und die zunehmend direkte Ausübung kolonialer Macht, vor allem in den Küstenstädten Ost- und Südchinas, war eine spezifische, an den Vorlieben und am Geschmack der Europäer orientierte Produktion aller möglichen Güter entstanden, natürlich auch anspruchsvoller und teurer Souvenirs, die vor allem mit der damals schon weitgehend historischen Chinoiserie Europas spielten.

Hier handelt es sich um ein besonders schönes Objekt, das vor allem durch die aufwändigen und kunstvoll ausgeführten Schnitzereien der Spielfiguren aus Elfenbein gekennzeichnet ist. Bei dem "schwarzen" Satz der Figuren wurde das Elfenbein rot eingefärbt. Die Schnitzereien zeigen einen (fiktiven!) chinesischen Kaiser mit Kaiserin (= Dame), Hofstaat und Soldaten (= Bauern). Die Gegenseite repräsentiert hingegen einen "Barbaren-Herrscher" mit entsprechender Mannschaft. Hier ist die chinesische Sichtweise auf Randvölker ihres Reiches, besonders im Norden und Westen, sehr schön zu erkennen.

Dr. Ingo Nentwig
Kustos Ostasien der
Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen

Dank der aktiven und großzügigen Unterstützung unseres Freundeskreises konnte die Restaurierung von Dipl. Restauratorin Kati Böckelmann aus Dresden finanziert werden.
Kosten: 1484,80 € incl. MwSt