Freilichtmuseen in Deutschland

Freilichtmuseum

Schon im 18. Jahrhundert entstanden in Schweden die ersten Vorläufer der heute weit verbreiteten Freilichtmuseen. Skansen heißt das weltweit erste Freilichtmuseum in Stockholm, das auch heute noch erhalten und in Betrieb ist. Das erste seiner Art auf heutigem deutschem Boden entstand vermutlich bei Husum, als dort ein 1899 ein Fachhallenhaus versetzt und als Museum eröffnet wurde. Heute zieren zahlreiche Freilichtmuseen die Landschaft in der Bundesrepublik. Ihr Zweck besteht darin, meist original erhaltene, ansonsten nachgebaute historische Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So kann man hier frühere Lebensweisen nachempfinden. Dazu kann man vergleichen, mit welchem Handwerkszeug die Menschen früher und heute gearbeitet haben, welche Stile es gab und wie das Leben in meist kleinen Gemeinschaften reguliert war. Im Folgenden findet sich eine Auswahl der reizvollsten Freilichtmuseen in Deutschland, wobei die Reihenfolge der Nennung keine Wertung darstellt.

1. Archäologischer Park in Xanten

Vielleicht das bekannteste Freilichtmuseum in ganz Deutschland steht in Xanten am Niederrhein. Es befindet sich auf den Überresten einer einst 10.000 Einwohner zählenden römischen Siedlung. Herzstück ist das für moderne Veranstaltungen verfügbare Amphitheater, aus dem 1991 eine Ausgabe von „Wetten, dass…?“ übertragen wurde. Allerdings liegt der eigentliche Fokus auf den zahlreichen restaurierten oder nachgebauten Römergebäuden, von einer langen Stadtmauer mit zahlreichen Wehrtürmen über Teile eines Aquädukts bis zu Thermen, Kornmühlen und Backöfen. Zudem befindet sich hier ein großes Römer-Museum. Wer sich umfassend über das Leben der Römer in ihrer Zeit der Siedlung in Deutschland informieren möchte, findet wohl kaum einen besseren Ort als dieses Freilichtmuseum.

2. Spreewaldmuseum Lehde

Der Spreewald ist eine sehr traditionsreiche Region etwa 60km südlich von Berlin. Das Spreewaldmuseum in Lehde ermöglicht es, viele dieser Tradition in eigener Anschauung kennenzulernen. Besonders bemerkenswert ist, dass das Leben hier sehr von der Nutzung von Wasser als Transportweg geprägt ist. Drei Höfe in dem im 19. Jahrhundert hier präsenten Stil zeigen sowohl das häusliche als auch das wirtschaftliche Treiben der Menschen in jener Zeit. Großes Thema in diesem Freilichtmuseum ist neben dem „Staken“, also dem Fortkommen mittels Muskelkraft auf dem Wasser, auch die Produktion der deutschlandweit bekannten Spreewaldgurken.

3. Bauernhausmuseum Bielefeld

Dieses Freilichtmuseum ist mit seiner Gründung 1915 eines der ersten seiner Art in Europa. Die Kulisse ist hier ein Hof von 1590, ein Backhaus von 1764, zwei Windmühlen aus dem 17. Jahrhundert und ein Spieker. Thema ist das ländliche Leben, Wohnen und Arbeiten aus der Zeit von etwa 1850, also etwas jünger als das Alter der Gebäude. Seit einigen Jahren existiert hier ein extra eingerichtetes Kinderhaus, in dem viele museumspädagogische Aktivitäten veranstaltet werden. Zudem wechseln die Exponate in Form von Möbeln, Keramik oder Kleidung immer wieder, da nicht der gesamte Fundus zu jeder Zeit ausgestellt wird.

4. Dorfmuseum Münkeboe

In diesem in Ostfriesland gelegenen Freilichtmuseum, welches gleich aus einem kompletten Dorf besteht, werden vor allem diverse handwerkliche Techniken aus früheren Zeiten dargestellt. So findet man hier ein Sägewerk, eine Bäckerei, eine Schmiede und sogar eine Destille. Insgesamt umfasst das Gelände mit der zentralen Mühle Münkeboe, um die sich die anderen Gebäude gruppieren, insgesamt 12 verschiedene Stationen. Dabei sind alle auch in ihrem Inneren extra robust gestaltet, um das Erleben mit allen Sinnen durch die Besucher zu fördern.

5. Internationales Wind- und Wassermühlen-Museum in Gifhorn

Eher untypisch für ein Freilichtmuseum werden hier Windmühlen aus gleich 13 verschiedenen Ländern in ihrem ursprünglichen Zustand präsentiert. Dafür hat man auch deren Umgebung jeweils entsprechend ihrer Herkunft gestaltet. Die Mühlen stammen dabei aus den folgenden Ländern:

  • Deutschland
  • Österreich
  • Griechenland
  • Ukraine
  • Ungarn
  • Portugal
  • Spanien (bzw. Balearen)
  • Russland
  • Frankreich
  • Korea
  • Taiwan
  • Serbien
  • Schottland

Kernstück ist zwar eine Ausstellungshalle, dennoch versteht man sich explizit als Freilichtmuseum. Alle Mühlen können schließlich aufgesucht und in ihrer Funktionsweise verstanden werden.

Ein Dorfplatz mit drei Fachwerkhäusern rundet den Auftritt des gesamten Museums ab, das zudem noch über eine 27 Meter hohe russische Stabkirche verfügt. Schon ziemlich einzigartig, diese Sammlung von etlichen historischen Mühlen in Gifhorn.

6. Hessenpark in Neu-Anspach

Das Freilichtmuseum Hessenpark befindet sich in Neu-Anspach im Hochtaunuskreis. Hier hat man auf 65 Hektar gleich eine ganze Sammlung an Fachwerkhäusern errichtet, inklusive zweier Windmühlen. Auf diese Weise ergibt sich der Eindruck, in einem echten Dorf vergangener Tage zu befinden. Dabei fließen die diversen Regionen Hessens mit ihrer jeweils eigenen Architektur in dieses Freilichtmuseum ein. Zudem können hier viele traditionelle Handwerkstechniken kennengelernt werden.

Darunter fallen:

  • Besenbinden
  • Schmieden
  • Drechseln
  • Köhlern
  • Spinnen
  • Blaufärben

 

Dazu dient die Einrichtung auch dem Umweltschutz. Zumindest früher wurden hier Störche aufgezogen. Außerdem existiert eine Schweinewiese mit vielen Schweinearten. Eher selten bei Freilichtmuseen: im Hessenpark kann man sogar in einem eigenen Hotel direkt am historischen Marktplatz übernachten.

7. LWL-Freilichtmuseum Hagen

Dieses Museum in Hagen in Westfalen legt seinen Schwerpunkt explizit auf Handwerk und Technik und somit nicht auf den häuslichen Alltag früherer Bewohner der Region. Schon in den 1920er Jahren begann man hier, technische Gegenstände für die Nachwelt zu konservieren und zugänglich zu machen. So findet sich hier mittlerweile das Deutsche Schmiedemuseum, dazu mit Brauereien, Brennereien und etlichen weiteren handwerklichen Betrieben insgesamt rund 60 verschiedene Gebäude. Sie alle sind im für die Region typischen Fachwerkhaus-Stil gehalten. Bemerkenswert zudem, dass man hier in vielen Workshops die jeweiligen Techniken an den Geräten auch selbst erlernen oder zumindest einmal ausprobieren kann.

8. Turmhügelburg Lütjenburg

Auch im hohen Norden, in diesem Fall in Schleswig-Holstein, finden sich zahlreiche Freilichtmuseen. Eines davon gesteht aus der Turmhügelburg Lütjenburg. Sie zeigt einen Wehrsitz aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, wie er für diese Zeit der beginnenden Besiedlung durch sächsische Ritter typisch war. Häufig entstanden aus derartigen Wehranlagen spätere mittelalterliche Burgen. In diesem Freilichtmuseum gibt es neben der eigentlichen Turmhügelburg noch etliche weitere Gebäude zu besichtigen sind, die die damaligen Wohn- und Stallgebäude darstellen. Gerne werde in diesem Umfeld auch Mittelaltermärkte veranstaltet, dazu gibt es Führungen und man kann sich sogar in der ebenfalls vorhandenen Kapelle trauen lassen.

9. Freilichtmuseum Mödlareuth

Dieses darf mit Fug und Recht als recht ungewöhnliches Freilichtmuseum bezeichnet werden, das es in dieser Form auch nur in Deutschland geben kann. Wobei es nicht das einzige seiner Art ist, die sich mit der früheren Gestaltung der innerdeutschen Grenze zu Zeiten des Kalten Krieges beschäftigt. Mödlareuth war in der Zeit der Teilung Deutschlands auch ein geteilter Ort. Viele der Grenzanlagen sind erhalten und hier zu besichtigen, darunter ein echter „Todesstreifen“ und ein Wachturm. Ein Museum klärt zusätzlich über weitere Aspekte der Teilung auf, wie Flucht und Fluchtversuche, Alltag an der Grenze und Ähnliches, wobei auch hier der Schwerpunkt auf den Sperr- und Sicherungsanlagen der Grenzen liegt.

10. Freilichtmuseum Beuren

Ein ziemlich umfangreiches Freilichtmuseum befindet sich in Beuren in Baden-Württemberg. Gleich 24 historische Gebäude hat man hierhin verpflanzt, die nun ein Ensemble ergeben, das Architektur und Leben in der Region Schwäbische Alb der Vergangenheit zeigt. Dabei hat man gleich zwei verschiedene Dörfer zusammengestellt. Zum einen das Neckarland-Dorf, zum anderen das so getaufte Alb-Dorf. Dazu kommt, dass sich hier auch zahlreiche Tiere befinden. Dazu zählen neben Ziegen, Gänsen und Hühnern auch einige Schottische Hochlandrinder. Mehrere Aktionstage übers Jahr verteilt lassen einen Besuch dann besonders lehrreich werden.

Fazit zu Freilichtmuseen in Deutschland

Die Auswahl ist natürlich insgesamt deutlich größer als jene hier aufgelisteten. Überall in Deutschland wird man eines oder mehrere kleine aber interessante Museen in mittelbarer Nähe des eigenen Wohnorts finden. Ein Besuch lohnt sich nicht nur als Familie mit Kindern – auch ohne diese lernt man jeweils eine Menge bei einem schönen Ausflug in ein Freilichtmuseum.

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